Klarheit durch Tränenlosigkeit
- Der Vater
- 9. Juli 2024
- 2 Min. Lesezeit

"Nur ein von den Tränen entwöhntes Auge kann klar sehen." Dieser Satz klingt zunächst hart, vielleicht sogar ein wenig gefühllos. Doch hinter diesen Worten verbirgt sich eine tiefe Weisheit, die uns lehrt, wie wichtig es ist, eine gewisse emotionale Distanz zu wahren, um die Welt und uns selbst klarer zu erkennen.
Der Weg zur Klarheit
Es ist kein einfacher Weg, diese Einsicht zu verinnerlichen und danach zu leben. Unsere Emotionen sind oft so stark und überwältigend, dass sie unsere Wahrnehmung und unser Urteilsvermögen trüben. Doch wenn wir lernen, uns nicht von unseren Gefühlen überwältigen zu lassen, können wir eine objektivere und klarere Sicht auf die Dinge gewinnen.
Die Balance der Gefühle
Dieser Balanceakt bedeutet nicht, dass wir gefühllos werden sollen. Im Gegenteil, es geht darum, unsere Gefühle bewusst wahrzunehmen und zu erkennen, ohne ihnen jedoch blind zu folgen. Dies erfordert Übung und eine bewusste Entscheidung, sich nicht von Emotionen leiten zu lassen, sondern sie als Teil unserer menschlichen Erfahrung zu akzeptieren.
Das Opfer der Gefühllosigkeit
Ein Mensch, der diesen Weg geht, wird oft als gefühllos wahrgenommen. Dies liegt daran, dass er nicht mehr so stark auf äussere Reize reagiert und seine Emotionen nicht mehr offen zeigt. Dies kann zu Missverständnissen führen, da Menschen in seiner Umgebung vielleicht denken, dass ihm Dinge egal sind, die ihn früher bewegt hätten.
Der Gewinn an Klarheit
Doch das Opfer, als gefühllos empfunden zu werden, bringt einen grossen Gewinn: Klarheit. Diese Klarheit ermöglicht es uns, zwischen den oft böse wirkenden Tendenzen zu unterscheiden, die uns umgeben und beeinflussen. Sie macht uns zu einem wahrnehmenden und erkennenden Menschen, der in der Mitte steht und die Dinge aus einer übergeordneten Perspektive betrachten kann.
Mehr Gefühle, weniger Verstrickung
Interessanterweise führt dieser Weg zu mehr, nicht weniger Gefühlen. Doch diese Gefühle sind anders: Sie sind tiefer, bewusster und nicht mehr so überwältigend. Wir nehmen viel mehr Gefühle wahr, doch wir unterliegen ihnen nicht. Dies bedeutet, dass wir in der Lage sind, unsere Emotionen zu fühlen und zu erleben, ohne von ihnen gesteuert zu werden.
Schlussfolgerung
"Nur ein von den Tränen entwöhntes Auge kann klar sehen." Diese Weisheit lehrt uns, dass Klarheit und Objektivität nicht durch das Vermeiden von Gefühlen, sondern durch das bewusste Wahrnehmen und Akzeptieren unserer Emotionen erreicht werden. Es ist ein schwieriger, aber lohnender Weg, der uns zu tieferem Verständnis und grösserer innerer Freiheit führt.
Indem wir uns von der Macht unserer Tränen befreien, gewinnen wir die Fähigkeit, die Welt und uns selbst in einem neuen Licht zu sehen – klarer, wahrer und freier. Es ist ein Opfer, das gut hinnehmbar ist, denn es öffnet die Tür zu einer neuen Dimension des Seins, in der wir als wahrnehmende und erkennende Menschen in der Mitte stehen.



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