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Löhne müssen nicht zum Leben reichen - Ein Plädoyer für unternehmerische Bescheidenheit

  • Der Vater
  • 6. Juni 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Chef auf Sessel

Man kann es nicht oft genug sagen: Wir leben in schwierigen Zeiten. Die Inflation, der internationale Wettbewerb, die steigenden Kosten für Tintenpatronen – es ist ein Wunder, dass wir überhaupt noch bereit sind, Menschen einzustellen.


Nun lese ich also: „Löhne müssen nicht zum Leben reichen“. Endlich spricht es mal jemand aus! Wie oft habe ich versucht, dies meinen Mitarbeitenden freundlich und mit einem kostenlosen Müsliriegel in der Hand zu erklären. Löhne, meine Lieben, sind doch kein Menschenrecht – sie sind eine freundliche Geste! Ein Applaus mit Bankverbindung. Ein feuchter Händedruck in Zahlenform.


Natürlich, unsere Mitarbeitenden sollen sich wohlfühlen. Glückliche Schäfchen geben süssere Milch, das weiss jeder gute Hirte. Darum investieren wir in Feelgood-Management: Es gibt Yoga in der Pause (nur für die mit befristetem Vertrag), einen Obstkorb (freitags leer), und einen Ruheraum – der allerdings meistens von der Buchhaltung belegt ist, die dort weint.


Aber was die Menschen da draussen nicht verstehen: Wir Unternehmer haben auch Gefühle. Ich erinnere mich noch gut, wie mein Porsche Cayenne hybridisierte. Das war ein schwerer Tag. Und der Massagesessel in meinem Büro – der funktioniert jetzt nur noch auf Stufe Zwei! Doch wer denkt an mich?


Einmal sagte ein Mitarbeiter keck zu mir: „Mein Lohn reicht nicht zum Leben.“ Ich sah ihn tief an und antwortete mit väterlicher Milde: „Dann lebe doch einfach weniger.“ Eine Inspiration für ihn – davon bin ich überzeugt.


Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin ein Menschenfreund. Ich umarme jeden meiner Angestellten regelmässig – innerlich. Ich nicke ihnen im Flur zu, wenn ich nicht gerade telefoniere. Und an Weihnachten gibt’s für alle eine handverlesene E-Mail. In Comic Sans, weil’s wärmer wirkt.


Aber: Wir müssen realistisch bleiben. Wenn jeder Mensch von seinem Lohn leben könnte, wo kämen wir denn hin? Wer würde dann noch träumen? Von Lotto-Gewinnen, Gehaltserhöhungen oder wenigstens einer Kaffeemaschine mit Milchaufschäumer?


Nein, wir müssen die Menschen klein halten – damit sie Platz haben zu wachsen.

Und das ist wahre Führung.


In tiefer Dankbarkeit für eure bescheidene Anspruchslosigkeit - Der Vater.

 
 
 

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